Franz Schubert - Biographie
1783 Theodor Schubert verlässt seine böhmisch/mährische Heimat (heute Tschechien) und lässt sich in Wien/Lichtenthal nieder, um mehr Geld als Schulmeister zu verdienen, als er auf dem Land bekommen kann. Die Dorfkinder zahlen zu schlecht und Schulmeister sind damals oft kurz vor dem Verhungern (Nicht von ungefähr ist die Meerschaumpfeife bei Wilhelm Buschs "Lehrer Lämpel aus"Max und Moritz" dessen einziger wertvoller Besitz).
1785 Theodor Schubert heiratet die Schlesierin Elisabeth Vietz, die aus Böhmen stammt.
1797 Franz Schubert wird am 31. Januar 1797 in Wien als zwölftes Kind des Dorflehrers Franz Theodor Schubert (1763-1839) und seiner Frau Maria Elisabeth Vietz (1756-1812) geboren und am Tag darauf, am 1. Februar 1797, in der Lichtenthaler Kirche "zu den vierzehn Nothelfern" getauft, einer Pfarrkirche des Wiener Vorortes (heute ist es die "Schubert-Kirche"). Von den insgesamt vierzehn Kindern des Ehepaars werden nur fünf älter als ein Jahr., unter ihnen ist Franz das zweitjüngstes. Die Familie Schubert bewohnt zwei Zimmer im Haus "Zum roten Krebsen", auf dem Himmelpfortgrund. Heute ist das Haus ein Museum ( Wien 9, Nußdorfer Str. 54), damals stand es in einer schäbigen Wohngegend und beherbergte sechzehn Familien. Im Erdgeschoß des Gebäudes ist die Schule untergebracht, in der Schuberts Vater zunächst wenige Kinder aus armen Familien unterrichtet, die auch nur unregelmäßig Schulgeld zahlen können.
1801 Theodor Schubert kann sich verbessern und eine Hypothek auf das Haus "Zum schwarzen Rössl" aufnehmen, in dem er eine größere Schule einrichtet, die auch mehr Geld einbringt. Damit steigt er gesellschaftlich erheblich auf. Es findet sich noch Zeit genug dem Jüngsten (später zweitjüngsten) Klavier und Viola beizubringen. Da die älteren Brüder Ferdinand und Ignaz Violine spielen und der Vater Cello, kommt es bald zum familiären Streichquartett. Der zwölf Jahre ältere Ignaz unterrichtet Franz außerdem im Klavierspiel.
1805 In den nächsten Jahren erlernt Franz außerdem noch Chorsingen und Orgelspiel und wird von Michael Holzer, dem Kantor der Dorfkirche Lichtenthal unterrichtet. Bald kann er auf der Orgel improvisieren und lernt Harmonielehre und Generalbaß. Mit acht oder neun entstehen die ersten Kompositionen. Ein "Gesang in c" ist erhalten (D 1a).
1807 Mit zehn Jahren wird Franz Schubert Sängerknabe und ist bei den Hochämtern in der Lichtenthaler Pfarrkirche regelmäßig Streicher im Orchester.
1808 Thedor Schubert kann Franz bei Antonio Salieri (1750-1827) vorstellen und da Salieri auch die Wiener Hofkapelle leitet, wird Franz dort aufgenommen, erhält ein Stipendium und wird Schüler des "Stadtkonvikts" und Chorsänger in der Hofburg. Das Stadtkonvikt gilt als Eliteschule für künftige Musiker und vermittelt auch eine erstklassige Allgemeinbildung. Schubert hat Unterricht bei Wenzel Ruzicka, dem Hoforganist und glänzt musikalisch, jedoch weniger in Latein, Griechisch und Mathematik. Schnell wird Franz Schubert Geiger im Orchester, das allabendlich die zeitgenössische Musik spielt, nicht nur Mozart, Haydn und Beethoen, sondern auch Anton Eberl (1785-1807), Leopold Kozeluch (1747-1818), Franz Krommer (1759-1831) oder Franz Anton Rösler alias Antonio Rosetti (1750-1792), heute vergessenen Komponisten. Dort, im Konvikt, trifft Schubert einen seiner lebenslangen Freunde: Joseph von Spaun (1788-1865). Joseph von Spaun über diese Zeit: "Schubert spielte hinter mir stehend aus demselben Notenblatt. Sehr bald nahm ich wahr, daß mich der kleine Musiker an Sicherheit des Takts weit übertreffe. Dadurch auf ihn aufmerksam gemacht, bemerkte ich, wie sich der sonst stille und gleichgültig aussehende Knabe auf das Lebhafteste den Eindrücken der schönen Sinfonien hingab, die wir aufführten."
1812 Im Mai 1812 stirbt Schuberts Mutter ohne ihren jüngsten Sohn noch einmal gesehen zu haben. Die zweite Katastrophe für Schubert ist der einsetzende Stimmbruch, denn nun kann er nur noch ein Jahr im Konvikt bleiben - als Streicher. Sein berühmter Eintrag in einem Notenheft : "Schubert Franz zum letztenmahl gekräht. Den 26. July 1812" Bis jetzt hat er schon eine größere Zahl von Werken unterschiedlicher Art geschrieben: ca. fünfzehn Lieder, acht Streichquartette, ein Klaviertrio, fünf Ouvertüren, eine Sinfonie, zahlreiche Fantasien und Tänze für Klavier und etliche Entwürfe und Hausaufgaben. Kurz nach dem Tod der Mutter hat Schuberts Vater inzwischen Anna Kleyenböck, die Tochter eines Seidenhändlers aus der Vorstadt Gumpendorf, geheiratet. Sie ist nur wenige Jahre älter als Franz, trotzdem spricht er sie - der Gepflogenheit wegen - mit "Frau Mutter" an.
1813 Weil Schuberts Leistungen in Mathematik in diesem Schuljahr konsequent ungenügende bleiben, muß er mit Herbst das Internat verlassen. Schubert besucht danach das Lehrerseminar "Lehrer-Präparandum" an der "k. k. Normalhauptschule St. Anna", damit er wenigstens als Hilfslehrer beim Vater eine Stelle als "Schulgehilfen", also zu einem untergeordneten Volkschullehrer, finden kann - für andere Schulen ist er nicht geeignet. Schubert wird parallel zum Verlassen des Konvikts Antonio Salieris Privatschüler. Zahlreiche Kanons und Fugen aus dieser Zeit sind wahrscheinlich für den Unterricht entstanden. Wie Schubert den berühmten Salieri bezahlt hat, ist offen: möglicherweise durch Notenschreiben und Ausschreiben von Generalbässen.
1814 Franz wird zwei Jahre lang Hilfslehrer in der Schule seines Vaters: er selbst spricht von drei Jahren "Martyrium in der Schule". Er selbst übersteht diese Zeit mit fünfzig Kindern in einer Klasse nur, weil er sich jeden Tag feste Zeiten einplant, in denen er komponiert. Der erste Erfolg stellt sich ein: Schubert dirigiert am 16. Oktober seine Messe in F-Dur (D 105) für die Centenarfeier in der Lichtenthaler Kirche.
1814 Die Jugendfreundin Therese Grob singt das Sopransolo. Drei Tage später schreibt er für sie das Lied "Gretchen am Spinnrade", das den Anfänge des "Kunstliedes" darstellt. Joseph von Spaun, seine Freund aus dem Konvikt, vermittelt Schubert die Bekanntschaft des jungen Dichters Johann Mayrhofer kennen, von dessen Gedichten Schubert eine ganze Reihe vertont; Spaun vermittelt Schubert auch die Bekanntschaft mit Franz von Schober. Mayrhofer und Schober gehören bald dem engsten Freundeskreis Schuberts an, ebenso Johann Senn und Anton Holzapfel, zwei Kameraden aus dem Konvikt.
1815 Schubert hat bis jetzt ca 140 Lieder komponiert.
1816 Schubert bewirbt sich im April um den Posten eines Musiklehrers in Laibach/Ljubljana, dies klappt allerdings nicht, obwohl Salieri ihm eine Empfehlung geschrieben hat. Schubert zieht mit seinem Freund Joseph von Spaun in die Innenstadt Wiens, Erdberger Straße 17. Der Vermieter, ein Professor, gibt ihm seinen ersten Kompositionsauftrag (verschollene Kantate "Prometheus", aufgeführt am 24. 7. 1816) und Schubert arbeitet nun freischaffend als Komponist in Wien. Ab und zu hilft er noch dem Vater aus, manchmal unterstützen ihn Freunde. So zieht Schubert bereits im Herbst zur Familie Schober und bleibt dort bis zum Herbst 1817- dort wird er bewaschen, bekocht und versorgt, so daß er den ganzen Tag komponieren kann: Bis Ende 1816 entstehen fast fünfhundert Lieder, Streichquartette und fünf Symphonien. Im Hause von Schobers lernt Schubert den Sänger der Wiener Hofoper Johann Michael Vogl (1768-1840) kennen, der der erste wichtige Interpret seiner Lieder wird und sie bekannt macht.
1817 Schubert überwirft sich mit dem Vater und verliert nun die einzige Berufsstellung seines Lebens. Sein Leben lang bleibt er wirtschaftlich unselbständig und ist in Zukunft auf Gnade und Wohlwollen von anderen angewiesen - zum Glück hat er mittlerweile viele wohlhabende und einflußreiche Freunde.
1818 Im Februar stellt Schubert seine beiden Ouvertüren (D 590 und 591) einem größeren Publikum vor: die beiden Ouvertüren im Italienischen Stil ( wie etwa "Rossini") wurde in einem Konzert im Gasthof "Zum Römischen Kaiser" aufgeführt. Das Publikum ist begeistert, die Presse auch: (Anerkennung des Kritikers der "Wiener Allgemeinen Theater-Zeitung") Von Juli bis Oktober wird Schubert Musiklehrer des Grafen Johann Karl Esterhazy von Galántha auf Schloß Zseliz an der Gran, (damals in Ungarn, heute heißt es "Zeliezovce" und liegt in der Slowakei). Dort unterrichtet er die beiden Töchter des Hauses, u.a. die 13jährige Caroline von Esterhazy, in die er sich kurz darauf verliebt.
1822 Schuberts "Unvollendete" Symphonie wird in Grundzügen skizziert. Da an eine feste Beziehung zu Caroline von Estrehazy nicht zu denken ist, tröstet Schubert sich mit ihrer Zimmerfrau Pepi Zselizer und steckt sich bei ihr mit Syphilis an. Als er wieder nach Wien zurückkehrt, hat er mit seinem Freund Mayrhofer eine kleine Wohnung in der Wipplingerstraße. Er kommt mit Ignaz von Sonnleithner (1770-1831) in Kontakt, und da Sonnleitner in seiner Wohnung große Hauskonzerte veranstaltet, hat Schubert eine ideale Plattform für seine Kompositionen. Sonnleitners Hauskonzerte werden schnell "Schubertiaden" genannt und es ist ein "Muß" für kulturell Interessierte, dabei zu sein: Sänger, Musiker, Maler, u.a. Moritz von Schwindt.
1823 Im Wiener Krankenhaus schreibt Schubert "Die schöne Müllerin", im d-moll-Quartett bekannt als "Der Tod und das Mädchen" beschreibt er den Tod als Freund - er weiß nicht, wie lange ihm bei seiner Syphilis noch Zeit bleibt.
1825-1827 Erfolglose Bewerbung um die Vizehofkapellmeisterstelle und um die Kapellmeisterstelle am Kärtnertortheater in Wien.
1828 Am 26. März, dem ersten Todestag Beethovens findet die Veranstaltung des einzigen öffentlichen Konzertes mit Werken Schuberts statt. Im gleichen Monat stellt er die C-Dur Symphonie fertig. Im September und frühen Oktober schreibt er die letzten drei Klaviersonaten (c-moll, a-moll und Bb-moll) Am 4. November meldet sich Schubert bei Simon Sechter, dem angesehensten Wiener Theorielehrer, zum Unterricht an, es kommt jedoch nicht mehr zu den Stunden, denn am 19. November stirbt Schubert in Wien an einer Typhuserkrankung. Sein letztes Werk ist das Streichquintett in C-Dur. Bei seinem Tod ist etwa ein Drittel seiner Werke in gedruckt erschienen, allerdings ausschließlich in Österreich. Nur die "Allgemeine Musikalische Zeitung" hatte in Leipzig im gleichen Jahr die Klaviersonate in a-Moll gründlich gewürdigt. Schubert widmet Caroline Esterházy seine 1828 vollendete vierhändige Klavierfantasie f-Moll. Bei seinem Tod hat Schubert über 600 Lieder geschieben, außerdem die Symphonien und zahlreiche Bühnenwerke. Schubert liegt in unmittelbarer Nähe von Beethoven auf dem Friedhof in Wien-Wahring.
Seit 1981 existieren Theorien über eine angebliche Homosexualität Schuberts in amerikanischen Zeitschriften (Maynard Solomon in "American Imago", später in "19th Century Music"). Als Belege gelten die enge Freundschaft zu Franz v. Schober und Joseph v. Spaun. Ich kann dazu gegenwärtig positiv noch negativ Stellung zu nehmen - auszuschließen ist es wohl nicht.




